Berliner Fotokünstler, der mit Feuer in das analoge Filmmaterial eingreift.


Sven Hoffmann

Vom Mechaniker zum Fotokünstler. Aus jahrelangem Experimentieren mit analogem Filmmaterial entstand seine eigene Technik der Burn Art, bei der Feuer nicht Effekt ist, sondern Mitgestalter.

Über Sven Hoffmann

Porträt des Künstlers Sven Hoffmann
Sven Hoffmann

Sven Hoffmann wurde am 7. Oktober 1969 in Ostberlin geboren und zog 1975 nach Westberlin. Schon früh entwickelte er ein ausgeprägtes Interesse für Materialien, handwerkliche Prozesse und die Frage, wie sich Dinge verändern und neu zusammensetzen lassen.

Nach seiner Ausbildung zum Mechaniker bei Osram führten ihn längere Aufenthalte nach Thailand und Costa Rica. In Thailand beschäftigte er sich mit Skulpturen, Schweißarbeiten, Malerei und Recyclingkunst. In Costa Rica baute er eine Tischlerei auf und fertigte Möbel. Gleichzeitig vertiefte er seine fotografische Arbeit und richtete die Grundlage für eigene fotochemische Experimente ein. 1994 wirkte er außerdem als Darsteller an der Berliner Volksbühne unter der Leitung von Christoph Schlingensief mit.

Seit 1998 arbeitet Sven Hoffmann als selbstständiger Künstler. Im Mittelpunkt seines Schaffens steht die analoge Fotografie. Die Filme entwickelt er im eigenen Labor und greift dabei bewusst in die fotografischen Prozesse ein. Über viele Jahre erprobte er unterschiedliche Belichtungs- und Entwicklungstechniken – darunter Pseudosolarisation, Sandwichverfahren, Doppelbelichtung und Fotoätztechniken. Er bemalte Fotografien, arbeitete mit flüssiger Fotoemulsion auf Glas, Holz, Stein und Fliesen und verfremdete eigene Zeichnungen und Grafiken auf fotografischem Weg.

Doch Sven Hoffmann wollte die bekannten Verfahren nicht lediglich wiederholen. Er experimentierte dort weiter, wo der gewöhnliche fotografische Prozess längst beendet war. Aus dieser beharrlichen Suche nach einer eigenen Ausdrucksform entwickelte er seine Technik der Burn Art.

Dabei wird das analoge Filmmaterial gezielt mit Feuer und Hitze bearbeitet. Das Feuer dient nicht als nachträglich aufgesetzter Effekt, sondern greift unmittelbar in das ursprüngliche fotografische Material ein. Es verändert Farben, Schichten, Oberflächen und Konturen, während der bearbeitete Film als sichtbarer Teil des Werkes erhalten bleibt. Jeder Eingriff reagiert anders – deshalb lässt sich das Ergebnis weder vollständig planen noch wiederholen.

In der Werkgruppe „Planfilm als Leinwand“ geht Sven Hoffmann noch einen Schritt weiter: Er entfernt Teile der fotografischen Schicht vom großformatigen Planfilm und arbeitet unmittelbar mit Farbe und Feuer auf dem Material. Der Film ist hier nicht länger nur Träger einer Aufnahme, sondern wird selbst zur Leinwand und zum eigenständigen Kunstobjekt.

Sven Hoffmann verbindet fotografisches Wissen mit handwerklicher Erfahrung und einer außergewöhnlichen Offenheit gegenüber Material und Zufall. Seine Kunst entsteht aus Ausdauer, Neugier und dem Wunsch, etwas Eigenes hervorzubringen.

In den Worten des Künstlers

Kunst beginnt für mich dort, wo Material seine ursprüngliche Form verlässt.

Feuer, Hitze, Zeit und Zufall spielen in meinen Arbeiten eine zentrale Rolle. Sie hinterlassen Spuren, verändern Oberflächen und schaffen Strukturen, die sich nicht vollständig kontrollieren lassen. In diesem Spannungsfeld zwischen bewusster Gestaltung und unvorhersehbarer Veränderung entstehen meine Werke.

Mich fasziniert die Verwandlung von Materialien. Metall, Holz, Farbe, analoges Filmmaterial und gefundene Objekte werden Teil eines Prozesses, in dem Zerstörung und Entstehung eng miteinander verbunden sind. Feuer ist für mich dabei nicht nur Werkzeug, sondern Mitgestalter.

Die Bearbeitung folgt jedoch immer dem jeweiligen Werk. Sie wird nicht beliebig über ein fertiges Motiv gelegt, sondern entwickelt sich aus dessen Material, Inhalt und Ausdruck.

Manche Arbeiten entstehen aus Erinnerungen, andere aus Beobachtungen oder aus der Auseinandersetzung mit Menschen, Städten und kulturellen Ikonen. Was sie verbindet, ist meine Suche nach Ausdruck, Tiefe und einer unverwechselbaren Bildsprache.

Mein Atelier ist ein Ort des Experimentierens. Hier treffen traditionelle fotografische und handwerkliche Verfahren auf ungewöhnliche Materialien, Planung auf Zufall und Idee auf Transformation.

Ich verstehe Kunst als Einladung zum Entdecken – nicht nur des fertigen Werkes, sondern auch der Spuren, Prozesse und Geschichten, die darin sichtbar bleiben.

Sven Hoffmann – ein Künstler, der mit dem Feuer malt

Kennzeichnend für die Bildende Kunst der postmodernen globalen Gegenwart ist die Tendenz, die Trennungslinien zwischen den einzelnen Gattungen aufzulösen und gänzlich neuartige Mischtechniken zu entwickeln. Malerei, Plastik und Fotografie werden auf vielfältige Weise kombiniert und in einem einzigen Kunstwerk komprimiert.

Einer dieser modernen Kunstalchimisten ist der Berliner Fotokünstler Sven Hoffmann, der mit seiner speziellen Burn-Art-Technik weit über die Grenzen der deutschen Hauptstadt hinaus Aufsehen erregt.

Schon von ihrer äußeren Erscheinungsform erwecken Sven Hoffmanns Kunstwerke die Neugier des Betrachters. Er möchte wissen, wie die Arbeiten zustande gekommen sind und wird dadurch in einen Dialog mit dem Künstler, mit seiner Arbeitsweise und seinem Kunstverständnis hineingezogen.

Sven Hoffmann ist ein äußerst vielseitiger Künstler, sowohl was die Wahl seiner Themen als auch seiner Ausdrucksmittel betrifft.

Er hat gezeigt, was in ihm steckt und was er alles kann. Ich bin sicher: Er kann noch viel mehr. Er hat das Zeug zu einem großen Künstler. Man darf auf seine weiteren Arbeiten gespannt sein.

Dr. Peter Schütt, Autor und Kunstkritiker
Auszug aus „Sven Hoffmann – ein Künstler, der mit dem Feuer malt“, 2015